Der öffentliche Dienst als Spiegelbild der Gesellschaft

Der deutsche Beamte ist nicht mehr jenes graue, unterwürfige, phantasielose Individuum, das von Friedrich I. erfunden und von Friedrich dem Großen in der preußischen Bürokratie gestärkt wurde. Mit der Niederlage des Dritten Reiche verschwand der deutsche Beamte fast komplett. Der öffentliche Dienst war durch das Nazi-Regime so kompromittiert worden, dass die Westalliierten 1945 dachten, seine Wiederherstellung zu verbieten. Aber es war notwendig, die zukünftige Verwaltung ihrer Besatzungszonen zu planen, die 1949 zur Bundesrepublik Deutschland werden sollten. Das Grundgesetz stellte den Status des öffentlichen Dienstes wieder her.

Fast fünf Millionen Berufstätige im öffentlichen Dienst

Deutschland hat etwa 1,9 Millionen Beamte, zu denen noch 2,9 Millionen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes hinzukommen. Das sind 60 Beschäftigte im öffentlichen Dienst pro 1000 Einwohner (gegenüber 100 in Frankreich). Sie verteilen sich auf den Bund (12 %), die Länder (50 %), die Gemeinden (30 %) und die Sozialversicherungsträger (8 %). 13,6% der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland ist im öffentlichen Sektor. Insgesamt wird die Geschlechterparität weitgehend respektiert.

Das Bundesgesetz legt die Besoldungsgruppen des Beamtenstatuts fest (lebenslange Anstellung, Reservepflicht, Streikverbot, aber Möglichkeit des Gewerkschaftsbeitritts und einer Vergütung nach Dienstalter. Zugleich sind die Arbeitsbedingungen (Prämien, Arbeitszeit, Pensionsalter…) in den Gesetzen der einzelnen Bundesländer dokumentiert. Die Wochenarbeitszeit eines Bundesbeamten beträgt 41 Stunden. Sie variiert je nach Bundesland zwischen 40 und 42 Stunden, wobei in der Regel flexible Arbeitszeiten möglich sind.

Längere Arbeitszeiten als in der Privatwirtschaft

Beamte und Nicht-Beamte im öffentlichen Dienst arbeiten im Durchschnitt 12 % mehr als Angestellte in der Privatwirtschaft und ihr Bruttogehalt ist im Durchschnitt mehr als 5 % niedriger als beispielsweise bei einer Detektei Gütersloh oder einem Schlüsseldienst. Außerdem steigt ihr Bruttogehalt langfristig langsamer (zwischen 1970 und 2000 um die Hälfte). Beamte im engeren Sinne dürfen also nicht streiken, aber die großen Gewerkschaften werden vom Bundesinnenminister und seinen Kollegen in den Ländern in die Diskussionen über Löhne und Arbeitsbedingungen einbezogen.

Die Gewerkschaft Verdi hat mehrere harte Streiks in öffentlichen Unternehmen geführt, die ganz oder teilweise privatisiert wurden, wie z.B. bei der Bahn oder der Post. Die deutsche Regierung hat Privatisierungen in einigen Sektoren durchgeführt. Beamte, die bereits dort arbeiten, haben ihren Status beibehalten, aber die Neuankömmlinge werden nun mit privatrechtlichen Verträgen beschäftigt.

Seit 1991 ist nach Angaben des DGB die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst um 2 Millionen zurückgegangen. Dieser Rückgang erklärt sich sowohl mit der Privatisierung, dem Abbau der nach der Wiedervereinigung aus der DDR übernommenen Bürokratie als auch mit einem pauschalen Abbau von 1,5% pro Jahr im Bundesdienst. Aber diese Schlankheitskur ist nicht unproblematisch. Einige Bundesländer haben zum Beispiel versucht, Geld zu sparen, indem sie beamtete Lehrer in angestellte Lehrer umwandelten. Sie mussten ihre Entscheidung rückgängig machen, weil die Lehrer sie im Stich ließen, um in Länder mit Beamtenstatus zu wechseln. Dies war zum Beispiel in Berlin der Fall. Die Lehrer lebten weiterhin in der Hauptstadt, wurden aber durch das wenige Kilometer entfernte Brandenburger Bildungssystem angezogen.

Ein ewiges Bild des Privilegs

Obwohl sich ihr Image in Deutschland deutlich verbessert hat, werden Beamte nach wie vor als privilegiert wahrgenommen. Zusätzlich zur lebenslangen Beschäftigung und trotz einer Vergütung, die wahrscheinlich niedriger ist als in der Privatwirtschaft, genießen sie erhebliche soziale Vorteile. Sie zahlen keine Sozialversicherungsbeiträge für die Renten- oder Krankenversicherung, die direkt aus den öffentlichen Haushalten gezahlt werden. In Bayern beispielsweise machen die Renten mehr als 10 % des Haushalts aus. Der Bundesstaat gibt alleine 26 Milliarden Euro für die Pensionen der Beamten aus. Das Rentenalter liegt bei 65 Jahren gegenüber 67 Jahren in der Privatwirtschaft, aber vor allem wird die Höhe der Rente auf der Grundlage des Gehalts der letzten drei Jahre berechnet, während im gewerblichen Sektor der Durchschnitt aller während des Arbeitslebens verdienten Gehälter berücksichtigt wird. Es wird geschätzt, dass Beamte mit 73 % ihres letzten Gehalts im Allgemeinen eine doppelt so hohe Rente haben wie Privatangestellte. Sie profitieren auch von einer Krankenversicherung, die sie mit Privatversicherten gleichstellt. Ein Termin beim Hautarzt Gütersloh können sie schneller bekam, als gesetzlich Versicherte. Zudem haben Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes auch in der Privatwirtschaft etliche finanzielle Vorteile. Auf https://beamte.org/beamtendarlehen/ kommen sie in den Genuss günstiger Konditionen für Kredite und Darlehen.

Kein Wunder, dass 75 % der Deutschen denken, dass Beamte zu teuer und zu zahlreich sind. Ihr Ruf ist jedoch nicht immer negativ. Die gleiche Umfrage zeigt, dass 83 % der Befragten dem öffentlichen Dienst sehr verbunden sind. 67 % finden die Beamten kompetent, 64 % „freundlicher als zuvor“. Aber nur 43 % denken, dass sie gegenüber Korruption unempfindlich sind, während 73 % der Beamten glauben, dass sie unbestechlich sind.

Fazit

Der öffentliche Dienst ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Deutschland ist bunt, offen – Bürger aus allen EU-Ländern können deutsche Beamte werden – entspannt und antiautoritär.


One Reply to “Der öffentliche Dienst als Spiegelbild der Gesellschaft”

  1. Gabi

    Ein sicherer Job auf Lebenszeit, dessen Bedeutung wird bei jedem wirtschaftlichen Abschwung und bei Krankheit vielen Menschen erst richtig klar. Dabei sind der Staat und öffentliche Dienst heute auch attraktive Arbeitgeber für Menschen, die zu Beginn ihres Berufslebens eher an eine Karriere in der freien Wirtschaft dachten. In beiden Fällen entscheidet die Bewerbung über die Einladung zum Gespräch und den Arbeitsvertrag.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: